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18/07/2008 - Bombenlegeraffäre (n° 709)

Absolution für CSFaul-Staat und Spitzeldienst

 

Wie sein Freund, der kasachische Großdiktator Nursultan Nasarbajew, regiert Bokassa am liebsten ohne Opposition. Der ständigen Anfeindungen von Doofpartei und Müslis in der Bombenlegeraffäre leid, beauftragte er den parlamentarischen Geheimdienstkontrollausschuss mit zwei Berichten über Spitzeldienst und Stay behind. Zur Zufriedenheit Bokassas und Lasep-Fraktionschefs Ben Faillite taten die Oppositionspolitiker Charel Göre und Fränz Aufgebauscht ihre Arbeit getreulich und stellten dem CSFaul-Staat und seinen Organen einen Persilschein aus.

 

Als sich der belgische Verteidigungsminister 1991, nach der Aufdeckung des Gladio-Netzwerkes in Italien bei seinem Geheimdienstchef informierte, ob Belgien auch über ein Gladio-Netzwerk verfüge, antwortete dieser schlichtweg mit „Nein“. Als er drei Wochen später bei dem gleichen Chef nachfragte, ob Belgien denn vielleicht ein Netzwerk besitzt, das „Stay Behind“ heißt, antwortete dieser mit „ Ja“, um gleich zu relativieren, es habe sich aber lediglich um ein paar harmlose Funker gehandelt. Gleichzeitig schaltete der Geheimdienst SDRA eine Nachricht in der Tageszeitung Le Soir, um ihren Agenten zu versichern, dass man ihre Identität nie preisgeben werde. Soviel zum Demokratieverständnis von Geheimdiensten.

Hierzulande ist dies jedoch ganz anders. Ausgewählte Mitarbeiter des Geheimdienstes standen der Kontrollkommission des Parlamentes Rede und Antwort, und die Parlamentarier erhielten freien Zugang zum Archiv des Geheimdienstes. Ein Archiv, in das Staatsminister Jean-Claude Bokassa I. vorher bereits prophylaktisch nachschauen gelassen hatte, um zum Schluss zu kommen: „es steht nichts drin.“ Auf diese Quellen basierte die Kontrollkommission nun ihren Bericht, um zum Schluss zu kommen, dass der Luxemburger Stay behind lediglich aus ein paar harmlosen Funkern bestanden habe. Soviel zur Leichtgläubigkeit der Kontrollkommission.

 

Kontrollausschuss hörte zu ermitteln auf, wo er anfangen müsste

 

Dort wo ihre Arbeit erwartungsgemäß hätte beginnen sollen, beendeten die Fraktionschefs sie, nämlich bei der Überprüfung der Informationen, die sie vom Geheimdienst erhalten hatten.

Glauben schenkten sie unter anderem einem Bericht des ehemaligen Geheimdienstdirektors, wonach der Spitzeldienst SRE zwischen Juli 1985 und Juni 1987 eine Reihe von Briefings abgehalten habe, bei denen Parlamentarier, Magistrate und hohe Beamte über die Existenz und die Aufgaben des Stay behind informiert worden seien. Der Einladung zum Tag der offenen Tür nebst Präsentation via „Overhead“-Projektor bei dem geheimsten NATO-Netzwerk der Welt seien dann auch ein Dutzend Personen aller politischen Couleur gefolgt: „Une liste manuscrite retrouvée dans un dossier aux archives du SRE et probablement constitué lors de l’enquête de 1990, indique qu’entre juillet 1985 et juin 1987, MM. Santer, Fischbach, Poos, Goebbels, Kasel, les membres de la commission définie à l’article 88-3 du code d’instruction criminelle, ainsi que MM. Spautz, Bourg, Dondelinger, Krieps (Emile), Grethen, Schloesser, Colling et Juncker (Edouard) auraient été présents lors d’un tel briefing.“  (S. 11 des Kommissionsberichts „Les activités du réseau Stay behind luxembourgeois“).

In anderen Worten: alle die genannten Personen wären hiernach bereits in den achtziger Jahren über Stay behind informiert gewesen und hätten dann 1990, als das Netzwerk aufflog, so getan, als fielen sie aus allen Wolken.

Überprüft haben die Abgeordneten diese Aussagen des ehemaligen Geheimdienstchefs jedoch nicht. Hätten sie dies getan, dann hätten sie festgestellt, dass sie falsch oder zumindest fragwürdig sind, denn DNF-Informationen zufolge kann sich nicht jeder der genannten Personen überhaupt erinnern, jemals an einem solchen Briefing teilgenommen zu haben.

 

Widersprüchliche Aussagen von Jacques Digestif

 

So jedoch lenkt der Bericht vor allem davon ab, dass Jacques Digestif 1990 vor dem Parlament die Unwahrheit gesagt hat. Digestif hatte stets behauptet, bis 1990 nichts von der Existenz des Stay behind gewusst zu haben. Aus dem Bericht der Kommission geht jedoch eindeutig hervor, dass Digestif schon vor 1990 über die Existenz des Stay behind informiert war. Trotzdem kommt der Bericht der Kontrollkommission zu dem erstaunlichen Resultat, dass Digestif 1990 nichts als die Wahrheit gesagt habe.

Dabei war der heutige Ehrenstaatsminister 1990 zumindest ein zweites Mal haarscharf an der Wahrheit vorbei geschrammt, als er in Bezug auf das NATO-Manöver Oesling84 behauptet hatte, dass keine ausländischen Agenten in Luxemburg tätig gewesen seien. Dabei wissen wir heute, dass im Rahmen dieses Manövers US-Spezialisten für Sabotage und subversive Aktionen zusammen mit einer Gruppe Luxemburger Attentate auf öffentliche Installationen trainierten. Ein Training, das nur zwei Wochen vor dem ersten Attentat der Bommeleeër stattfand. Diese raum-zeitliche Nähe beunruhigte die Parlamentarier jedoch nicht sonderlich.

 

In Luxemburg ist alles anders

 

Der Luxemburger Stay behind nahm nicht teil an Oesling84, so die offizielle Version. Dabei wurden die US-Spezialeinheiten ins Land geschleust, versteckt und verpflegt von Luxemburger Zivilisten, wie es in den Planungen von Stay behind vorgesehen war. In Diekirch richteten die US-Streitkräfte eine High-Tech-Kommandozentrale ein, die verschlüsselte Nachrichten mit einer Zentrale in England austauschte, wie beim Stay behind vorgesehen. 

Und zu allem Überfluss gaben die Belgier auch noch zu, ihr Stay behind sei beim Manöver Oesling84 beteiligt gewesen. Während die belgischen Geheimagenten also ihre Aufgaben erfüllten, sollen die Luxemburger gerade Urlaub gemacht haben?

Warum die US-Special Forces im Mai 1984 einer Gruppe von Luxemburgern einen Crash-Kurs in Sabotage und subversiver Kriegführung gegeben haben, interessierte die Abgeordneten recht wenig. Die Zahl der „subversiven Luxemburger Elemente“, die an diesem Training teilgenommen haben, geben sie mit mehr oder weniger 30 Personen an.

Auf vier Bommeleeër mehr oder weniger wird es wohl nicht angekommen sein.

 

KROP DER EN ABO, SOSS KROOPT DÉCH DEN ABBÉ

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