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12/09/2008 - Bokassa wird volkstümlich (n° 712)

Er werde nachts vor dem Fernseher sitzen, um „Mulles“ zuzuschauen, der sich in der Viertelfinale der US Open schlug. Das hatte der rabenschwarze Großdiktator Jean-Claude Bokassa I. letzte Woche in seinem Briefing der verdutzten Doofpresse enthüllt.

Wer hätte schon gedacht, dass Bokassa wüsste, wie beim Tennis die Tore gezählt werden. Und dass er so kumpelhaft mit Gilles Muller umginge. Doch weil die Iren in ihrem Referendum nicht so abgestimmt hatten, wie er so wollte, kann der bedauernswerte Bokassa in drei Monaten nicht ständiger Präsident des Europäischen Rats werden.

Schlimmer noch: Er muss im nächsten Juni wieder kandidieren, um als Südabgestorbener in die Abgestorbenenkammer gewählt zu werden. Natürlich in der Hoffnung, wie jedes Mal zuvor, gar nicht am Krautmarkt antreten zu müssen, sondern in die Regierung zu kommen.

Allerdings hat Bokassa als Kandidat ein kleines Problem. Viele seiner treuen Wähler hegen nämlich inzwischen den bösen Verdacht, dass er gar keine Lust mehr hat, gewählt zu werden, weil er ja lieber nach Europa gehen wollte. Sie glauben sogar, dass Bokassa sich nur noch für die große Europapolitik interessiert und ihm das kleine Großherzogtum samt seinem braven Wählervolk inzwischen schnurzpiepegal geworden ist.

Deshalb hat Bokassa sich schweren Herzens entschlossen, wieder volkstümlich zu werden. Das kommt nicht nur über ihn, wenn er einmal erzählt, wie er, der 1954 geboren wurde, zu jenen gehört, die „ihre Väter aus dem Krieg heimkehren sahen“. Alle paar Jahre hält er es für ratsam, in die Hocke zu gehen und den kleinen Leuten zu zeigen, dass er einer von ihnen ist.

Um sich von den gutbürgerlichen Opernbesuchern zu unterscheiden, gab er sich eine Zeit lang als bekennender Fan des singenden Kinderstars Monika. Sie dankte es ihm, indem sie seine Austeritätspolitik mit netten Liedchen über das Teilen, die Bescheidenheit und andere christliche Spartugenden versüßte. Als Monika schließlich in die Pubertät kam und dann mit großzügigem Ausschnitt Fernsehsendungen zu moderieren begann, ließ er lieber ab von ihr.

„Et muss ee gutt Eltere gehat hunn, fir den Tour de France ze gewannen“

Vor den letzten Wahlen trat Bokassa dann zusammen mit Fabienne Gaul auf. Die junge CSFaul-Kandidatin sah nicht bloß schon als Teenager so aus und dachte so wie die Alterspräsidentin der katholischen Fraen a Mammen. Sie ist auch die Tochter des Radrennfahrers und Bergengels Charly Gaul. Und so entdeckte Bokassa seine Liebe zu den Nationalheiligen des Luxemburger Sports. In Funk und Fernsehen erzählte er, wie groß seine Bewunderung für den Gaul und welch guter Freund der Familie er sei.

Seither lässt er angestrengt seine Sportbegeisterung heraushängen, die um so überzeugender ist, als er selbst hauptsächlich Fett ansetzt. Bei der Olympiade versuchte Bokassa, sich noch mehr ins Zeug zu legen, als die großherzogliche Familie und der ebenfalls für jedes Foto dankbare Sportminister Jeannot Knéckeg. Aber die Resultate der Luxemburger Athleten waren nicht so hervorragend, dass sich mit ihnen viel Staat machen ließ. Obwohl drei der Sportler Sportsoldaten der großherzoglichen Armee waren.

Dafür konnte Bokassa während der Tour de France über RTHell fabulieren: „Ech si frou, datt no esou laanger Absëns am Spëtzentrio vum Tour de France, Lëtzebuerg do erëm eng Roll spillt. Dat ass wichteg fir de Kim Kirchen, dat ass jo deem seng Liewensleeschtung, an déi och vu sengen Elteren. Et gewënnt een den Tour de France net, wann een Elteren hat, déi net gutt waren. Et muss ee gutt Eltere gehat hunn, fir den Tour de France ze gewannen, oder de Maillot jaune ze droen.“

Nun wissen wir’s und müssen Bokassa dankbar sein: Ohne Mammerent keinen Maillot jaune.

KROP DER EN ABO, SOSS KROOPT DÉCH DEN ABBÉ

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