menu
menu
menu
menu
menu
menu
menu
menu
menu

Search

03/10/2008 - Bankenplatz mit Bankenkrach (n° 715)

„Dexia BIL strotzt vor Gesundheit“ überschrieb am Montag das Tageblöd ein ganzseitiges Interview mit Frank Waghals, dem Generaldirektor der Luxemburger Dexia. Im Laufe desselben Tages wollte keine Bank mehr der Dexia Geld leihen, der Aktienkurs fiel um 30 Prozent, und die belgischen, französischen und luxemburgischen Steuerzahler mussten mit einigen Milliarden einspringen, damit sie sich nicht zu Tode strotzte.

Am Dienstag wurde in den Morgennachrichten von RTHell der knapp verhinderte Zusammenbruch der Dexia gemeldet, direkt anschließend folgte die von Dexia bezahlte „Finanzchronik“, wo eine Dexia-Angestellte, wie gewohnt, die Finanzexpertin mimte.

Die kompetenten und gut bezahlten Banker von Dexia hatten sich mit einer Tochterfirma in den USA voll in das Geschäft mit den innovativen Finanzprodukten der faulen Hypothekenkredite gestürzt. Zudem haben sie eine hübsche Sammlung wertlos gewordener Wertpapiere der bankrotten Bank Lehman Brothers. Und am Sonntag versetzten sie sich dann selbst den Gnadenstoß, als bekannt wurde, dass sie zusammengekommen waren, um genau so viel Steuerzahlergeld zu fordern wie ihre Konkurrenz Fortis. So dass am Montag auch der Dümmste schlussfolgerte, dass der vor Gesundheit strotzenden Dexia das Wasser ebenso bis zum Hals stand wie Fortis. Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte am Montag die Bewertung der langfristigen Kreditwürdigkeit verschiedener Dexia-Töchter, darunter auch Frank Waghals‘ Dexia BIL Luxemburg, der Luc Bieder gerade 375 Millionen Euro bewilligt hatte.

Die Verstaatlichung der Banque libérale

Die gute alte Banque libérale, heute Fortis, musste schon am Sonntag mit Steuerzahlergeldern vor dem Krach gerettet werden, weil niemand ihr mehr Geld leihen und auch niemand sie kaufen wollte. Seither ist die Bank, in der so manches Wahlprogramm der Doofpartei geschrieben wurde, nicht mehr liberal, sondern verstaatlicht. Neben den belgischen und niederländischen kostet der Spaß die Luxemburger Steuerzahler 2,5 Milliarden Euro oder ein Drittel des Luxemburger Staatshaushalts – also weit mehr, als nötig gewesen wäre, um die kostenlose Kinderbetreuung im ganzen Land einzuführen, die der rabenschwarze Großdiktator in seiner Verklärung der beschissenen Lage der Nation versprochen hatte.

Als gerade Seinesgleichen Fortis und Dexia ruiniert hatten und nur eine weitgehende Verstaatlichung den Konkurs abwenden konnte, meinte der Direktor der Bankenlobby ABBL, Jean-Jacques Rommel, der zehn Jahre für Dexia BIL gearbeitet hatte, am Dienstag im Wortchen: „À priori, une injection de capital par les gouvernements n’est pas une bonne chose.“

Bokassa und sein Gehülfe Luc Bieder versprachen der Abgestorbenenkammer am Montag, dass die über 100 Milliarden alter Franken gut angelegt seien, um das Vertrauen in die Banken wieder herzustellen, und die Steuerzahler gar nichts kosten würden. Denn der Staat gibt eigenes und bei der Sparstrumpfkasse mit einer staatlichen Garantie geborgtes Geld für Wandelanleihen der Fortis aus. Das kostet die Steuerzahler tatsächlich so lange nichts außer eine vom Maastrichter Stabilitätspakt missbilligte Verschuldung, wenn das Vertrauen in die Fortis, die Dexia und wer weiß wen noch tatsächlich wieder hergestellt wird. Andernfalls ist das schöne Geld futsch und die Steuerzahler haben einige Milliarden echte Schulden am Hals.

Kompetente Bankaufsicht, blitzgescheite Abgestorbene

So ist der Bankenkrach auch in Luxemburg angekommen, eineinhalb Wochen nachdem der für die Verhinderung eines Krachs bezahlte Direktor der Bankenaufsicht CSSF, Jean-Nicolas Duerfschaus, dem Lëtzebuerger Land erklärte, dass hierzulande „keine Bank ins Wanken geraten“ werde, denn „die Luxemburger Banken verfügen weiterhin über genügend Liquiditäten“. Ebenso kompetent wie die Bankenaufsicht reagierten am Montag die Abgestorbenen, die sich wie ein Mann hinter Bokassa und Bieder stellten, als es hieß, kurz einmal zwei bis drei Milliarden Euro zu verpulvern. Ob CSFaul, Grünkernpartei, Lasep, Doofpartei oder ARD, ob Mehrheit oder Opposition, niemand war zu einem kritischen Wort fähig, von einem intelligenten ganz zu schweigen. Doch damit waren sie nicht dümmer als die Direktoren von ABBL, CSSF, Dexia und Fortis. Bloß kreditwürdiger.

KROP DER EN ABO, SOSS KROOPT DÉCH DEN ABBÉ

abonnéieren