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10/10/2008 - Banken im Sommerschlussverkauf (n° 716)

„Die starken Konsolidierungen durch die respektiven Staaten“ hätten „die Vertrauenskrise der Sparer“ in Fortis und Dexia „hiermit gestoppt“. Das versprach Haushaltsminister Luc Bieder am Dienstag letzter Woche über RTHell, nachdem die Regierung 2,9 Milliarden Euro in die beiden Banken gepumpt hatte, um sie vor dem Zusammenbruch zu retten.

Aber das Vertrauen hielt nicht einmal eine Woche. Pünktlich zum Wochenende rettete die niederländische Regierung den niederländischen Teil von Fortis, indem sie ihn verstaatlichte. Die belgische und die luxemburgische Regierung bemühten sich, den Rest an die BNP Paribas zu verramschen. Und wieder konnte Bieder am Montag ankündigen: "Die Übernahme macht mir gute Hoffnungen für die Zukunft der Bank und den Finanzplatz Luxemburg."

BNP Paribas soll 14,5 Milliarden Euro für drei Viertel von Fortis in Belgien und Luxemburg ausgeben. Noch eine Woche zuvor zahlte die Luxemburger Regierung 2,5 Milliarden für die Hälfte von Fortis Luxemburg; den Wert alleine des kleinen Luxemburger Teils hatte sie demnach noch auf fünf Milliarden geschätzt.

Bankrott einer hochgelobten Expansionspolitik

Zudem muss BNP Paribas nicht die ganze Fortis in Belgien und Luxemburg kaufen. Von 10,4 Milliarden Euro „toxischen“ Anlagen, den wertlosen Papieren aus der US-Hypothekenkrise, mit denen sich Fortis verspekuliert hatte, übernimmt die französische Bank großzügigerweise deren nur für eine Milliarde.

Welch gutes Geschäft BNP Paribas beim Ramschkauf machte, bekommen jene Fortis-Kunden als erste zu spüren, die sich als Kleinanleger Fortis-Aktien als sichere und gewinnbringende Anlage aufschwatzen ließen. Der Wert der Aktien, die sie vor einem Jahr für über 20 Euro kauften, wurde Anfang der Woche auf vier Euro geschätzt. Die Kapitalerhöhung durch den Staat verringert die Dividende pro Aktie zusätzlich. Ein Glück, dass es wenigstens die Loi Rau nicht mehr gibt.

Dafür wird Fortis in Luxemburg wieder in Banque libérale oder so ähnlich umgetauft – zumindest bis sie in einem oder zwei Jahren BNP Paribas heißen wird. Womit dann auch ganz offiziell eine jahrelange und von allerlei Bankdirektoren, Politikern und anderen Experten hochgelobte Politik der Expansion, Internationalisierung und Globalisierung bankrott gemacht und sich als größenwahnsinnig und sinnlos erwiesen hat. Für den Schaden dürften direkt oder indirekt Steuerzahler, Angestellte, Kunden und Kleinaktionäre aufkommen.

Dexia-Karussell klemmt

Nicht besser sieht es bei der Dexia BIL aus, die schon vor einer Woche mit belgischen und luxemburgischen Steuergeldern vor dem Zusammenbruch stand, als niemand ihr mehr Geld leihen wollte und der Kundensturm auf die Schalter begann. Doch nach „12 Stunden Verhandlungen durch die ganze Nacht, also ohne Pause“, wie Luc Bieder dienstags über RTHell klagte, hatte er sie, zusammen mit seinem belgischen Kollegen, gerettet. Allerdings nur für eine kleine Woche, und Anfang dieser Woche drohte sie wieder zusammenzukrachen.

Ein Sympathisant der CSFaul, François Martou vom Mouvement ouvrier chrétien, erklärte letzte Woche im Soir, weshalb eine Bank wie Dexia anfälliger ist: „C’est ce qu’on appelait voici quelque temps le carrousel de Luxembourg. Les banques belges prêtaient à l’État de l’argent qu’elles allaient chercher sur le marché interbancaire, en fait auprès de leur filiale luxembourgeoise, où les Belges avaient effectué leurs dépôts.“ So dass die Bank, deren Aktiva lokal und Passiva weltweit seien, besonders abhängig vom Handel zwischen den Banken geworden sei, der nun nicht mehr funktioniere.

KROP DER EN ABO, SOSS KROOPT DÉCH DEN ABBÉ

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